Marielies Riebesel – Textil

Gestaltung: Helmut Brade und Andreas Richter

Im Sommer 2016 zeigt der Berufsverband Bildender Künstler Sachsen-Anhalt in der Kunststiftung des Landes Sachsen-Anhalt eine Personalausstellung der Textilgestalterin Marielies Riebesel (1934–2015) und würdigt damit das Leben und Wirken einer der bedeutendsten Vertreterinnen hallescher Bildweberei. In einem zweiten Teil im Herbst 2016 würdigt auch das Kunstmuseum Moritzburg Halle (Saale) das Schaffen der halleschen Künstlerin und zeigt im Rahmen der Sonderausstellung „Gewebte Träume. Der Bildteppich in Mitteldeutschland. Reflexionen auf Jean Lurçat“ in einer Kabinettpräsentation Werke von Marielies Riebesel.

„Ich mache etwas ganz Verrücktes: nämlich Wandteppiche.“ Die vor einem Jahr verstorbene Künstlerin Marielies Riebesel widmete ihr Leben der aufwendigen Herstellung prächtiger Gobelins. Galt ihr frühes Interesse der Darstellung von Pflanzen und Tieren inmitten filigraner Ornamentik, erhob sie später den Menschen zum zentralen Motiv ihrer meist großformatigen Arbeiten. Die mal starren und mal tanzenden Figuren verwob sie mit lebendigen Strukturen zu in sich geschlossenen Kompositionen von leuchtender Farbigkeit. Dabei verknüpfte Marielies Riebesel die kunstgewerblichen Ansprüche an ein repräsentatives Dekor mit einer übergeordneten künstlerischen Aussage, was ihr zu Recht die Anerkennung als einer der bedeutendsten Vertreterinnen zeitgenössischer Bildweberei einbrachte. Zugleich zeigt sich hier auch der Einfluss Jean Lurçats und der französischen Tapisserie-Tradition der 1950er Jahre auf die hallesche Textilgestaltung, dem sich im Herbst 2016 zwei Sonderausstellungen in Halle widmen (siehe unten).

Im Sommer 1953 begann Marielies Riebesel an der Kunsthochschule Burg Giebichenstein bei Kurt Bunge Malerei zu studieren, um kurze Zeit später in die von Willi Sitte und Irmgard Glauche eröffnete Klasse für Bildteppichgestaltung zu wechseln, bis sie in ihrem Fach schließlich diplomierte. Vier Jahre lang arbeitete sie in der neu gegründeten halleschen Textil- und Gobelinmanufaktur, bevor sie ab 1965 als freischaffende Künstlerin zahlreiche Aufträge zur öffentlichen Raumgestaltung erhielt, zum Beispiel für den Berliner Palast der Republik oder für monumentale Bühnenvorhänge hallescher Kulturhäuser wie dem Volkspark und dem Klubhaus der Gewerkschaften. Sie war Mitglied des Verbandes Bildender Künstler der DDR wie später auch des Berufsverbandes Bildender Künstler Sachsen-Anhalt.

Mit ihrem Tod im Jahr 2015 hinterließ die Künstlerin ihrer Tochter Bettina Riebesel ein umfangreiches Œuvre. Dank der großzügigen Bereitschaft des Stadtmuseums Halle und des Kunstmuseums Moritzburg Halle (Saale), einen erheblichen Teil des Nachlasses aufzunehmen und zu archivieren, verbleibt eine Vielzahl der Arbeiten in der Saalestadt. Weitere Werke von Marielies Riebesel finden sich heute unter anderem in der Universität Würzburg, im Leipziger Grassi Museum für angewandte Kunst, im Kunstgewerbemuseum der Staatlichen Museen zu Berlin und im Magdeburger Kunstmuseum Kloster Unserer Lieben Frauen sowie im halleschen Stadthaus, für das sie im Jahr 2006 einen Gobelin zum 1200. Stadtjubiläum entwarf.

Ergänzt durch eine gleichnamige Publikation, in der unter anderem Freunde und Kollegen würdigend zu Wort kommen, bietet die zweiteilige Ausstellung „MARIELIES RIEBESEL TEXTIL“ mit Gobelins, Kartons, Zeichnungen und malerischen Arbeiten einen umfassenden Einblick in das Leben und Wirken der Künstlerin. Die Leihgaben stammen von Bettina Riebesel, aus dem Stadtmuseum Halle (Saale), dem Kunstmuseum Moritzburg Halle (Saale), dem Land Sachsen-Anhalt, dem Besitz der Bundesrepublik Deutschland, dem Kunstarchiv Beeskow / Archivierte Sammlung von Kunst aus der DDR und privaten Sammlungen. Inhaltlich korrespondiert die Doppelschau mit einer Reihe weiterer Ausstellungen. Während der Laufzeit des ersten Teils in der Kunststiftung des Landes Sachsen-Anhalt zeigt der Kunstverein „Talstrasse“ e.V. die Schau: „Jean Lurçat. Malerei – Grafik – Bildteppich“. Der zweite Teil von „MARIELIES RIEBESEL TEXTIL“ im Kunstmuseum Moritzburg Halle (Saale) läuft im Herbst 2016 parallel mit der im selben Haus stattfindenden Sonderausstellung „Gewebte Träume. Der Bildteppich in Mitteldeutschland. Reflexionen auf Jean Lurçat“, der Retrospektive „WandBildTextil“ der Klasse Malerei und Textile Künste von Professor Ulrich Müller-Reimkasten in der Burg-Galerie im Volkspark und der Kunststiftung des Landes Sachsen-Anhalt und der Ausstellung „Die Werkstatt Rosemarie und Werner Rataiczyk“ im f2 Halle für Kunst.

Eine Ausstellung des Berufsverbandes Bildender Künstler Sachsen-Anhalt in Kooperation mit Bettina Riebesel, dem Kunstmuseum Moritzburg Halle (Saale) und der Kunststiftung des Landes Sachsen-Anhalt. Gefördert durch das Land Sachsen-Anhalt und die Stadt Halle (Saale).


Kunststiftung des Landes Sachsen-Anhalt, Neuwerk 11, 06108 Halle (Saale)
14. August bis 4. September 2016
Mi–So 14–18 Uhr, Eröffnung am 13. August 2016 um 15 Uhr
Zur Begrüßung sprechen: Daniel Priese (Vorsitzender des BBK Sachsen-Anhalt), Manon Bursian (Direktorin der Kunststiftung des Landes Sachsen-Anhalt), Thomas Bauer-Friedrich (Direktor des Kunstmuseums Moritzburg Halle (Saale))
www.kunststiftung-sachsen-anhalt.de

Rahmenprogramm
Kuratorenführung: 3. September 2016, 18 Uhr, mit Helmut Brade
Workshop Künstlernachlässe: 3. September 2016, 10–16 Uhr, Kunststiftung des Landes Sachsen-Anhalt, Neuwerk 11, 06108 Halle (Saale), Anmeldung und Informationen unter www.bbk-sachsenanhalt.de bzw. 0345–2026821

Kunstmuseum Moritzburg Halle (Saale), Friedemann-Bach-Platz 5, 06108 Halle (Saale)
10. Oktober bis 6. November 2016
Do–Di und Feiertage 10–18 Uhr, Mittwoch geschlossen, Eröffnung am 9. Oktober 2016 um 15 Uhr, gemeinsam mit der Ausstellung „Gewebte Träume. Der Bildteppich in Mitteldeutschland. Reflexionen auf Jean Lurçat“
Zur Begrüßung sprechen: Thomas Bauer-Friedrich (Direktor des Kunstmuseums Moritzburg Halle (Saale)) und Daniel Priese (Vorsitzender des BBK Sachsen-Anhalt)
www.kunstmuseum-moritzburg.de