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Isabella Sissis, Johannes Nagel Figuren und Gefäße, Archetypen

Bild: Isabella Sissis, Johannes Nagel

13.08. - 13.09.2019

Isabella Sissis arbeitet als Keramikerin hauptsächlich figürlich. Ausgangspunkt ihrer plastischen Arbeiten sind persönliche Erfahrungen und innere Beziehungen, die sie beispielsweise mit ihren Kindern verbinden. Deren intensive Reflexion kondensiert sie in Bildwerken, die Archetypen menschlicher Rollen und fest geprägte Bildtraditionen mit individuell-porträthaften Zügen verbinden. Büsten mit an die Renaissance gemahnender Unmittelbarkeit und Bearbeitungen der Madonnenikonographie stehen in ihrem Werk neben Figuren, die durch ihre Bewegung Innerliches an die Oberfläche fördern. Unverfälscht einfließende Emotionen und originäre, auf Bildwissen fußende Symbol­findungen gehen dabei eine enge Verbindung ein, die in ihrer Lesbarkeit weit über den persönlichen Ursprung hinaus führen.

Johannes Nagel forscht nach dem Zusammenhang zwischen Form und Idee. Zu seinen wichtigsten Gegenständen zählt das Gefäß in seinen begrifflichen und formalen Grenzen. Die Frage nach dem damit durch tief verwurzelte und vielfältige Traditionen verbundenen Urbild spielt deshalb eine zentrale Rolle im Schaffen des Keramikers. Seine künstlerische Mittel sind Zufall und Unmittelbarkeit der Geste. Mit Arbeitst­echniken wie dem Graben von später abgeformten Negativ­figurationen in Sand gelingt es ihm, unmittelbar manuell zu agieren und dem Prozess des Suchens eine materielle Existenz zu verleihen. Den ideellen wie ästhetischen Kontrast zu den dabei entstehenden, kraftvoll zwischen Naturgestalt und Artefakt changierenden Formen bilden aus dem Positiv geformte scharfkantige Gefäße von großer formaler Strenge.
Isabella Sissis und Johannes Nagel haben beide an der Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle Keramik studiert und leben als Paar mit ihren Kindern in Halle an der Saale.

Archetypen sind Urbilder menschlichen Denkens und Handelns. Unmittelbare Bedürfnisse und Jahrtausende kulturgeschichtlicher Prägung fließen zu ihnen zusammen. Ob reflektiert oder unbewusst - unwillkürlich bestimmen sie das Leben. Ihnen nachzuspüren, sie zu erfüllen oder sich von ihnen abzugrenzen, ist menschlicher Alltag. Zugleich stehen sie diffus hinter den großen Fragen nach Sinn. Fast zwangsläufig stellen sich Archetypen deshalb auch Künstlern in den Weg. Kein Werk entsteht ohne Voraus­setzungen und wird nur für sich wahrgenommen, ohne Wissen und Assoziationen. Für die Künstler Isabella Sissis und Johannes Nagel ist der Freiraum zwischen Urbild und individueller Form geradezu produktiver Motor. Völlig unterschiedliche Anstöße und Arbeitsweisen führen sie zu diesem gemeinsamen Kern. Sissis sucht ihn im Verborgenen menschlicher Beziehungen, denen sie konkrete Gestalt verleiht, Nagel in bewusst dem Sehen entzogenen Teilen des Arbeitsprozesses.

Eröffnung: Dienstag, den 13.08.2019, um 19 Uhr

Einführende Worte: Rüdiger Giebler

Galerie Himmelreich
Breiter Weg 213b, Ecke Danzstraße
39104 Magdeburg
www.galerie-himmelreich.de

Öffnungszeiten:
Di - Fr 12 - 18 Uhr und Sa 10 - 13 Uhr sowie nach Vereinbarung