Open Call – HAUS. HEIMAT. – Partizipatives Kunstprojekt in Kalbe (Milde) 2026

Ausschreibung für ein Künstlerinnenkollektiv

Kalbe mit ihren ca. 2234 Einwohner:innen ist eine kleine Stadt mit noch guter Infrastruktur (Grund- und Sekundarschule, 3 KITAs, 4 Supermärkte, Ärzte, viele Vereine). Die Altstadt weist ca. 30% Leerstand auf. Die Künstlerstadt Kalbe ist seit 2013 dabei mit Kunst und Kultur wieder „Fülle in die Hülle“ zu bringen.

Mit vielen unterschiedlichsten Formaten begegnet sie den Folgen des demografischen Wandels. Thema beim diesjährigen Lichtblütenfestival soll „HAUS. HEIMAT“ sein. Denn inzwischen ist das eigene Heim keine überdauernde Idee mehr, sondern gefährdeter denn je. Im Zentrum steht die Frage: Was bedeutet Heim? Was bedeutet Heimat? Und was kann Heimat heute sein?

Ein Haus kann Schutz sein, ein Zuhause, ein Ort der Erinnerung und der Geborgenheit. Es kann aber auch fehlen, verloren gehen oder bedroht sein. Heimat kann ein Ort sein – aber ebenso ein Mensch, eine Landschaft, ein Geruch, ein Lied, eine Sprache, eine Erinnerung, eine Gemeinschaft, oder ein gemeinsames Tun.

Gleichzeitig erleben wir eine Welt, in der das vermeintlich sichere „Haus“ fragiler wird: durch Klimawandel und Naturkatastrophen, durch Krieg, Flucht und Vertreibung, durch politische und gesellschaftliche Veränderungen. Was gibt uns Halt, wenn die vertrauten 4 Wände nicht mehr selbstverständlich sind?

Zum Lichtblütenfestival am 10.10.2026 sollen in der Altstadt von Kalbe (Milde) und auf dem Kulturhof zahlreiche kleine, große, fragile, leuchtende, überraschende und persönliche Häuser und Häuser von Gruppen der Stadt Kalbe entstehen. Wir suchen dafür ein Künstlerinnenkollektiv, das gemeinsam mit den Menschen aus Kalbe und Umgebung einen partizipativen künstlerischen Prozess entwickelt und begleitet.

Die Idee

Gemeinsam mit verschiedenen Gruppen und Menschen aus Kalbe sollen Häuser, Heime und Hütten entstehen und bestehende Häuser neu interpretiert werden.

Dabei interessieren uns ganz unterschiedliche Formen und Materialien:

  • kleine Häuser aus Ton, die in den Fenstern der Bewohner:innen der Altstadt stehen
  • Kleine Häuser aus Papier, die an Lichterketten gehängt und zum Leuchten gebracht werden
  • gebastelte und modellierte Miniaturhäuser
  • Gemeinschaftshäuser aus Fundholz mit Textilien umkleidet, mit Papier, die Platz für die Gruppe bieten
  • fragile Hausskulpturen aus Ton, Papier, Metall, aus Fundmaterialien
  • textile Häuser, Zelte und Hütten
  • provisorische und zerbrechliche Behausungen aus Holz
  • Häuser, die Schutz versprechen, aber kaum vier Wände haben
  • Häuser, die zeigen, wie fragil ein Zuhause sein kann
  • Häuser, die schlafen, die atmen
  • Häuser, die bestrickt werden
  • Häuser, die in ihren Augen sich eine neue Welt träumen
  • Abbruchreife Häuser, die zu Schlössern werden
  • Häuser, die von persönlichen Erinnerungen erzählen
  • Häuser, die von dem handeln, was Menschen mit „Heimat“ verbinden
  • Häuser, die gemeinsam entstehen und dadurch selbst zu Orten von Gemeinschaft werden

Die entstandenen Arbeiten sollen im öffentlichen Raum der gesamten Altstadt von Kalbe (Milde) sowie auf dem Kulturhof verteilt werden. Besonders wichtig ist uns, dass die Häuser beleuchtet werden und sich die Stadt dadurch in eine begehbare, poetische und zugleich nachdenkliche Installation verwandelt.

Ein partizipativer Prozess

Gesucht wird ein begleiteter künstlerischer Prozess, der mit den Menschen vor Ort entsteht. Das Künstler*innenkollektiv soll Workshops und offene Werkstätten anbieten und dabei mit unterschiedlichen Gruppen der Stadt arbeiten – beispielsweise mit Kindern und Jugendlichen, Familien, älteren Menschen, Vereinen, Initiativen, Zugewanderten und Alteingesessenen. Dabei können vorhandene Ideen der Menschen aufgegriffen und gemeinsam künstlerisch umgesetzt werden.

Mögliche Fragen für die Workshops könnten sein:

Wo fühle ich mich zuhause?
Was brauche ich, um mich beheimatet zu fühlen?
Was nehme ich mit, wenn ich mein Zuhause verlassen muss?
Kann ein Mensch Heimat sein?
Kann eine Landschaft Heimat sein?
Welche Gerüche, Geräusche oder Lieder gehören zu meinem Zuhause?
Was macht ein Haus zu einem Heim?
Wann wird ein Zuhause unsicher?
Was bedeutet Heimat für Menschen mit unterschiedlichen Biografien?
Wie sieht ein Haus aus, das Schutz bietet?
Und wie sieht ein Haus aus, das jederzeit zusammenbrechen könnte?

Die Antworten müssen nicht in Worten gegeben werden. Sie können gebaut, geformt, genäht, gezeichnet, geschrieben, gesammelt, verbunden, beleuchtet und ausgestellt werden.

Heimat als vielstimmiger Ort

Das Projekt soll ausdrücklich unterschiedliche Perspektiven auf Heimat sichtbar machen. Ein besonderer Bezug besteht zur Interkulturellen Woche 2026. Die Begegnung
verschiedener kultureller, familiärer und persönlicher Erfahrungen soll dabei nicht nur thematisiert, sondern praktisch und künstlerisch erfahrbar werden.

Die Installationen und Performationen können zu einer Art gemeinsamem neuem Stadtbild werden: Viele einzelne Geschichten, Materialien und Vorstellungen von Zuhause ergeben zusammen einen neuen Ort. Vielleicht entsteht dabei eine Stadt, in der nicht nur Häuser stehen, sondern Heimat, in all seinen Facetten und Brüchen sichtbar wird. Der öffentliche Raum als Ausstellungsort. Am Ende des Prozesses sollen die entstandenen Arbeiten in der Altstadt von Kalbe (Milde) und auf dem Kulturhof zu sehen sein. Die Ausstellung wird als begehbare Installation im Stadtraum gedacht. Die beleuchteten Häuser sollen insbesondere in den Abendstunden eine besondere Atmosphäre schaffen und Besucher*innen des Lichtblütenfestivals dazu einladen, innezuhalten, zu entdecken und über die eigenen Vorstellungen von Zuhause und Heimat nachzudenken.

Rahmenbedingungen

Honorar für das Künstlerinnenkollektiv: 4.500 € Materialbudget: 2.000 € Eine Unterkunft in Kalbe kann gestellt werden. Der konkrete zeitliche Ablauf und die Anzahl der Workshops werden gemeinsam mit dem ausgewählten Kollektiv und den lokalen Partnerinnen abgestimmt. Die Workshops sollen nach Möglichkeit an unterschiedlichen Orten und mit verschiedenen Gruppen in Kalbe stattfinden.

Bewerbungen an:

Fragen: Tel: 039080-2959 oder


Bewerbungsschluss: 30. August 2026